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                                             Krinitzenstube  1870     

Krinitzenstube-Suhl


Krinitzen - ein Name aus der Suhler Mundart, denn Krinitzen sind
eigentlich Fichtenkreuzschnäbel, manche nennen sie auch die “Papageien”
des Thüringer Waldes.
Volksglaube schrieb diesen Vögeln eine besondere Heilkraft zu und man
mußte sie im Hause haben, um mehr Glück zu besitzen. Um das Jahr 1840
verlegten sich die früheren Besitzer des Grundstücks der heutigen
Krinitzenstube auf den Fang von Krinitzen. Diese wurden mit Leimruten
gefangen, welche man an einer langen Stange befestigte, die an einem
Steinhaufen befestigt war. Um diese Stange stellte man Häuschen mit
Lockvögeln auf.
Die so gefangenen Vögel schaffte man ins Westfälische, um den damals
kargen Lohn etwas aufzubessern. Und hier auf diesem Grund errichtete man
Bänke und Tische, und so entstand die Krinitzenstube. Bis 1967 hat es sich
dabei nie um einen geschlossenen Raum gehandelt. Es war bis dahin immer
eine Öffentlichkeit. Trotzdem sprachen die Besucher davon, daß “die Decke
mal wieder geweißt werden müsse” oder “ein neuer Fußboden ist auch mal
wieder nötig” usw.
Immer mehr Naturfreunde fanden sich ein und über offenem Feuer wurde
Sonntagsmorgen schon um 2 Uhr “Rubebrüh” - der Kaffeeersatz gekocht. Wer
erst um 6 Uhr kam, wurde bereits mit “Gute Noabed” begrüßt.
Viele Jahre ging das so. Krinitzen wurden schon lange nicht mehr gefangen,
aber die Krinitzenstube lockte am Sonntag immer mehr Leute an. Es war kein
Verein, aber doch ein fester Kreis, der zum Träger der Tradition wurde.
Die Mitglieder der Zunft hatten Ober- und Altmeister, Gesellen und
Lehrlinge - vor allem aber Humor. Und der kam in den Schurren und
Geschichten, die man hier erzählte zum Ausdruck. Außerdem wurde viel
gesungen und getanzt.
Die Chronik, die peinlich genau geführt wurde, meldete bei starkem Besuch
den kostenlosen Ausschank von bis zu 250 Litern - einmal sogar 256 Liter -
Rubebrüh.
Hier war echte Fröhlichkeit und Geselligkeit, hier war des Volkes warer
Himmel, in dem man nach sauren Wochentagen gerne einmal seine Sorgen
vergaß.
Das war viele Jahre so. Der erste Weltkrieg brachte den ersten großen
Rückschlag, der zweite Weltkrieg das Ende der Vogelstellerzunft. Im Jahre
1967 wurde von dem bekannten Gastronomen Berthold Anschütz der
Krinitzenstube Dach und Wand gegeben und seit dieser Zeit wurde auch
jährlich “die Decke geweißt”. 

   

Gedenkmünze zum 50 jährigen Krinitzenjubiläium1849 - 99

 

Das 1. Bild vom Bau des Naherholungsziel Krinitzenstube im Jahre  1967 Es gab keine Freigabe für Steine, Sand, Zement, Holz, Dachpappe, Fliesen, Fenster, Türen, Gipskartonplatten,Toilettenbecken, Terrassenplatten, Kies, Gips und vieles mehr. Nach dem Willen des Bauamtes der Stadt Suhl, des Rat des Kreises, des Rat des Bezirkes, sollte es ein "Offenstall" werden.Ohne Fenster und Türen.

So wollte man Berthold Anschütz zum Aufgeben zwingen.Aber man hatte die Rechnung ohne dem Wirt gemacht.

Es wurde auch ohne Freigaben mit Hilfe von Freunden, Bekannten , Verwandten und der Bevölkerung ein viel geliebtes, besuchtes Ausflugsziel der Suhler Bevölkerung und deren Besuchern aus Ost und West.

Aufnahme von 1969



Diese Ansichtskarte stammt aus dem Jahre 1972