Lothar´s Homepage

         Mein Bruder Rolf mit Ehefrau Sabine                        

Mein Bruder Rolf ist  am 24.4.2008  3 Tage vor seinem 76. Geburttag an Herzversagen gestorben. Er war der Gründer des Japanrestaurant "Waffenschmied" in  Suhl.

Er lebte und starb für seine Idee!

Hier lasse ich andere Menschen über meinem Bruder reden. 

Keiner kannte ihn besser als ich.

    


Nachruf von Dietrich Peter Orban im Freies Wort Suhl

           Er brachte Japan in den Thüringer Wald   Zum Tod von Rolf Anschütz  Suhl

Wenn gastronomisch je die Stadt Suhl in die Welt hinausgetragen
wurde, dann durch Rolf Anschütz. Nicht von ungefähr spricht man von der Suhler Japan-Legende. Leider ist dieser kreative und weit über unsere Region hinaus bekannte Fachmann im Alter von 75 Jahren jetzt verstorben.

Nie zuvor stand eine eigentlich gut bürgerliche Gaststätte unserer Stadt, der Waffenschmied, über viele Jahrzehnte im Mittelpunkt des Besucher- und Gästeinteresses von nah und fern. Das Suhler Symbol Waffenschmied bekam zur gastronomischen Wirkungszeit eines Rolf Anschütz sprichwörtlich eine doppelte Bedeutung: Als Ausdruck eines langjährigen einheimischen Produktionszweiges und als Ort einer Erlebnisgastronomie für das Land der aufgehenden Sonne. Einmalig damals in der DDR. Bis heute erinnert man sich gern in vielen Regionen Deutschlands, besonders auch in Japan, an sein intensives Wirken für die fernöstlichen Lebensgewohnheiten.
Rolf Anschütz war im wahrsten Sinne des Wortes ein Kulturbotschafter. So nannten ihn achtungsvoll seine japanischen Kollegen. Er bot nicht schlechthin Speisen und Getränke an, nein, er zelebrierte die ganze Palette der fernöstlichen Ess-Traditionen und Bade-Gepflogenheiten, vermittelte Landesschönheiten und begeisterte zu uralten, japanischen Traditionen. Hunderte von Gästen entführte er so mit seinem Team in eine Welt, die man zu DDR-Zeiten wohl kaum selbst erleben konnten.

Rolf Anschütz war ein Energiebündel. Hartnäckig ging er die Vervollkommnung des Japanischen Gastmahls trotz fehlender Mittel an. Ebenso hartnäckig rang er immer und immer wieder um einen Hotelneubau in Suhl für das Japanrestaurant. Und intensiv wirkte er als sachkundiger Einkäufer japanischer Produkte für das damalige Delikat Programm der DDR

Viele suchten Kontakt
In den letzten fünf Jahren war es stiller geworden um ihn. Seine Krankheit machte ihm zunehmend zu schaffen. Aber Freunde und Bekannte, Fernsehen und Buchautoren, die die japanische Kultur schätzten und liebten, suchten nach wie vor die Kontakte zu dem diplomierten Gastronomen. Er hinterlässt uns einen wichtigen Lebensgrundsatz: Eine Vision wird dann zur Wirklichkeit, wenn man sie eisern mit der ganzen Persönlichkeit, einem großen Engagement und absoluter Zielstrebigkeit verfolgt. Rolf Anschütz hat es uns vorgemacht.

Nochmal durchgestartet
Die Liebe zu japanischen Koch- und Ess-Traditionen entdeckte er erstmalig bei seiner Fachausbildung in Leipzig. Als er später den Suhler Waffenschmied leitete, wurde aus der anfänglichen Neugier zum kapitalistischen Land Japan ein regelrechtes autodidaktisches Studium mit dem Vorsatz, alle Gepflogenheiten japanischer Tisch- und Badesitten, Speisefolgen und Essgewohnheiten sowie Zubereitungsarten kennen zu lernen und das zeichnete seine Zielstrebigkeit aus sie auch praktisch in die Suhler Gastronomieszene umzusetzen. Vorbuchungen für das originale Japan-Zeremoniell standen schon
mal zwei Jahre im Voraus in den Terminkalendern des Suhler Teams. Wen wunderte es dann, dass er auch einen Auftrag in Berlin annahm, die japanische Gastlichkeit dort aufzubauen.
Noch mit 58 Jahren startete Rolf Anschütz nach der politischen Wende erneut durch und setzte mit dem Oberhofer Japanhotel Sakura (Kirschblüte) einen exotischen Akzent in die Hotellandschaft des bekannten Thüringer Wintersportortes.

Mit Rolf Anschütz verliert Suhl eine einzigartige gastronomische Persönlichkeit. 



Sonntag, 28. Dezember 2003 Winterzauber im Thüringer Wald

Ein Film von Fritz Pleitgen

Wiedergetroffen hat Fritz Pleitgen den Gastronom Rolf Anschütz, der zu DDR-Zeiten das legendäre Japan-Restaurant „Waffenschmied“ in Suhl geleitet hat. Der Clou: Vor dem Essen wurde gemeinschaftlich gebadet! Nackt! Ein Erlebnis für Brigadefeiern. „Ich hatte zwei Jahre Vorbestellzeit und insgesamt 1.974.000 Gäste, die die japanische Kultur kennen gelernt haben. Davon haben 870.000 ohne Badekleidung gebadet nach altem japanischem Ritual,“ berichtet Rolf Anschütz stolz. Nippons Kaiser ehrte ihn mit einem Orden für „kulturelle Verdienste“. Die goldenen Zeiten sind vorbei. Nach der Wende blieb die Kundschaft weg. Für sein neues Hotel Sakura in Oberhof musste Rolf Anschütz Konkurs anmelden. Eine von 3.000 Insolvenzen in Thüringen.


Wir, mit  Rolf 2007 in Ramstal

 
                          

      

Rolf + Lothar bei einer Präsidiumssitzung des Hotel-und Gaststättenverbandes Thüringen 1992

Rolf war damals Präsident,Lothar war Kreisvorsitzender.

Rolfs 1. Anzeige nach der Wiedervereinigung 1990




Filmvorbereitungen über das Leben von Rolf Anschütz

Juni 2010

"Sushi in Suhl" folgt nicht dem Stil üblicher Ostkomödien. In unserem Film geht es weder um „Ossis“ noch um „Ostalgie“. „Suhsi in Suhl“ ist ein Film über Rolf Anschütz und seinem abenteuerlichen Leben, eine deutsch-deutsche Geschichte, eine Tragikkomödie um einen Menschen, der durch Zufall einen Mechanismus in Bewegung gesetzt hat, den er selbst nicht mehr stoppen und nicht immer kontrollieren konnte.

"Sushi in Suhl" ist kein politischer Film. Er ist weder ein Film über die DDR noch über Deutschland. Im Mittelpunkt steht Rolf Anschütz, Koch und Gastronom aus Leidenschaft wie er selbst über sich sagte, ein Mensch der nie seinen Lebensmut verlor, jeder Niederlage etwas Positives abgewinnen konnte und zu dem stand was er machte. Gleichzeitig war Anschütz aber auch eine tragische Figur, der seinen beruflichen Erfolg mit dem Auseinanderbrechen seiner Familie bezahlte hat und bis zuletzt davon überzeugt war, das er mit dem Konzept des „Waffenschmied“ auch außerhalb der DDR den gleichen Erfolg gehabt hätte.

Im „Waffenschmied“ trafen sich Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern, aus Ost wie aus West. Hier entstanden Liebesbeziehungen, hier wurde Politik gemacht und Geschäfte abgeschlossen – nicht mehr aber auch nicht weniger!

Unsere Geschichte ist „universell“, es ist die Geschichte eines Mannes, der glaubte einen Traum verwirklichen zu müssen, den er eigentlich gar nicht hatte. Am Ende musste er erkennen, dass er sich und seine Familie nur selbst belogen hatte. Rolf Anschütz war nicht der „dreiviertel Japaner“ für den er sich gerne hielt. Als er auf dem Höhepunkt seines Erfolges stand und endlich in das Land reisen kann, dessen Kultur er seit Jahren seinen Landsleuten in der DDR vermittelte, musste er erkennen, dass das Land seiner Träume seine Heimat ist. In Japan hätte er niemals leben können. Rolf Anschütz hielt den „Waffenschmied“ für die Verwirklichung eines Traums, für viele seiner Gäste ein Abenteuerspielplatz und einmaliges Erlebnis und für die HO und die Partei die ideale Möglichkeit Geld zu verdienen und gleichzeitig etwas für die Völkerverständigung zu tun.

"Sushi in Suhl":

Japanlegende kommt ins Kino


Die Geschichte des Suhler Japanrestaurants wird verfilmt. Für das Drehbuch gab es jetzt eine
Auszeichnung bei der Verleihung des Hessischen Film- und Kinopreises in Frankfurt.
Der Produzent des Spielfilms Carl Schmidt "Sushi in Suhl" zusammen mit Sabine Anschütz (r.) und
seiner Ehefrau nach der Preisverleihung am 8. Oktober 2010 in der Alten Oper von Frankfurt.

Noch zu Lebzeiten von Rolf Anschütz, dem Vater des Japanrestaurants in Suhl kamen Filmemacher auf die Idee, diese gastronomische Einmaligkeit und deren Entstehungsgeschichte während der DDR in einen Film zu packen. "Kochen für den Weltfrieden" hatte man sich als Untertitel gedacht. Die Filmleute führten persönliche Gespräche mit dem Objektleiter des HO-Waffenschmied-Restaurants noch bis kurz vor dessen Tod im Jahr 2008. So entstand aus diesen Notizen das Drehbuch, das Rolf Anschütz leider nicht mehr lesen konnte.
Applaus in der Alten Oper
Zwei Jahre nach seinem Tod, mitten in den Vorbereitungen zu dem Spielfilm "Sushi Suhl", wurde das dazugehörige Drehbuch von Jens-Frederik Otto am 8. Oktober während einer Veranstaltung in der Alten Oper in Frankfurt gewürdigt.

Es erhielt die Auszeichnung "Bestes Drehbuch des Jahres 2010" anlässlich
der Verleihung des Hessischen Film- und Kinopreises. Gast dieser Veranstaltung war auch die Ehefrau des bekannten Suhler Gastronomen, Sabine Anschütz. Verwiesen wurde in der Bewertung auf die "abenteuerliche Geschichte des Thüringers Rolf Anschütz und seinem legendären Japanrestaurant". Es gab viel Applaus in der Alten Oper für einen Mann aus Suhl, der eine Vision hatte, sie verwirklichte und die Stadt bereits zu DDR-Zeiten über Ländergrenzen bekannt machte.


 Schon beim Provinzschrei 2009 hatte Schauspieler Uwe Steimle erklärt, dass er das Projekt befürworte und ermunterte die Suhler, sich mit ihrer Vergangenheit zu identifizieren. Die Dreharbeiten sollen im Januar 2011 beginnen und verschiedene Szenen werden wohl auch direkt vor Ort entstehen.


Rolf Anschütz, ein gebürtiger Hirschbacher, stammt aus einer traditionellen Gastronomenfamilie. Die "Krinitzenstube" und auch die "Domberggaststätte" sind eng mit den Namen der Familie Anschütz verbunden, aber nur Rolf schuf sich einen außergewöhnlichen gastronomischen Ruf. Sein einmaliges Restaurant wussten nicht nur die Südthsüringer, sondern auch tausende Gäste quer durch die DDR-Republik und im damals westlichen Ausland zu schätzen. Die japanische Zeremonie zog internationale Reporter an, darunter auch den Fernsehjournalisten Fritz Pleitgen.

 
Selbst das japanische Fernsehen berichtete mehrfach über Anschütz und sein Lokal. Der hatte 1966 mit seinem Restaurant in der Gothaer Straße ein bis dahin etwas Einmaliges in Europa kreiert. In einem Land der Mangelwirtschaft und der Zentralplanung gelang Außergewöhnliches, denn Anschütz musste komplizierte materielle, finanzielle und auch ideologische Hindernisse überwinden. San Anschütz ging trotz Anfeindungen unbeirrt diesen Weg zur Pflege japanischer Kultur - auch gegen Seitenhiebe aus der Parteizentrale.
Dreizehn Jahre nachdem das Restaurant geöffnet worden war, durfte der kreative Gastronom 1979 erstmals auf Einladung japanischer Fachleute ins Land der aufgehenden Sonne reisen. Damit wurde für ihn auch ein Lebenstraum wahr.

Die Dreharbeiten zum Film haben begonnen. Warten wir ab, wie wahr er wird. Die Crew hat keine leichte Aufgabe übernommen, immerhin wird mit dem Namen Rolf Anschütz, viel in den Medien spekuliert. 

Unwahrheiten lassen wir nicht zu !

Lothar Anschütz     lotharanschuetz@01019freenet.de

Sabine Anschütz     sabineanschuetz@web.de