Lothar´s Homepage

  

                 Theke 1968                     Berthold hinter der Theke

    


Berthold´s Devise:      

Wer aufgibt, hat schon verloren.



NNachdem Berthold Anschütz als Oberkellner im Burghof, der späteren Milchbar und nach einem Neubau der jetzigen Commerzbank aufgehört hatte, übernahm er am 1.April 1949
das Gasthaus „Zur Goldene Pille“ in der Stadelstraße in Suhl. Er übernahm die Gaststätte mit seiner Ehefrau Erna, von der 72 jährigen Verpächterin Hermine Steinecke, als Pachtwirtschaft. Es war für die Beiden kein Aprilscherz. Es kam eine schwierige Zeit auf meinen Eltern zu, zumal meine Schwester erst 4 Jahre alt war. Lebensmittelkarten gab es, natürlich viel zu wenig bemessen. Meine Eltern versuchten kartenfreie Gerichte herzustellen.
Fleisch von Bibern und Nutria wurden zu Goulasch verarbeitet, Zuckerrüben für Süßspeisen verwendet, Fett beim Schlachten von Kaninchen aufgehoben usw. Beim „Berthold“ haben manche nicht bezahlen können, es wurde aufgeschrieben oder öfters ein Freiessen gegeben.
Stammtischatmosphäre war im vorderen sowie auch im hinteren Gastzimmer allgegenwärtig.
Skattische wurden nach 16 Uhr belegt im vorderen Bereich. Im hinteren Bereich waren es nach 19 Uhr die Honoratioren und Geschäftsleute der Stadt zum Dämmerschoppen. Ich kann mich noch gut erinnern, das ich öfters, für einen kleinen Obolus, Wegbegleiter zwischen Kreuzkirche und Hauptkirche war. Klavierspielen sollte ich lernen. Das lag mir gar nicht und so übte ich auf dem Klavier im hinteren Gastzimmer, wenn die Eltern oben noch schliefen. Es war sehr schnell vorbei. Die Eltern hatten auch schon ihr Augenmerk auf die höchstgelegene Gaststätte gerichtet. Am 1.April 1952 übernahmen sie die „Gaststätte auf dem Domberg“. Zuerst in Pacht, dann später kauften die Eltern die Gaststätte.
Berthold war zuversichtlich. Er schrieb ins Familienbuch: „Trotz vieler Zahlungen für das erste Jahr, sehe ich mit einem gewissen Vertrauen in die Zukunft.“
Er dokumentierte alles. So stand im Buch: am 16 Febr.1952 Eselstute Isabella gekauft. Im
Sept. 1953 Eselhengst Jakob gekauft. Im August kaufte er den Rehbock „Märchen“
für 284.- DM usw. Vater hatte veranlasst, dass am 9.Juni 1954 die Platten auf dem Turm angebracht wurden von der Firma Häfner. Am 15. Dezember 1954 war die Wasserleitung eingefroren. Am 1. März 1955 hat sich Lothar bereit erklärt, in dieser Saison bei uns zu arbeiten .200,00 DM Auszahlung zuzüglich Kost und Logis.

Es steht vieles in diesem Buch z.B. viele verregnete Veranstaltungen, unliebe Gäste, Zerstörung des Rehgeheges, Zerstörungen am Wasserbassin, wie Abiturenten Stühle vom Turm runter warfen, wann die Gussrohre von der Quelle zur Gaststätte kaputt waren, wer sie repariert hat, wann die Pflanzfrauen zum Unterstellen kamen, wann es kein Schnee gab, wann Lieschen ( Rehricke ) Zwillinge geboren hat, wann von den Albrechtsern der Hahn für ihr traditionelles Hahnenschlagen gestohlen wurde, wann das erste Dombergsfest nach dem Krieg von Anschützen organisiert wurde, das die Stadt ein Gegen-Dombergsfest auf dem Friedberg veranstaltete und vieles, vieles mehr.
Natürlich nimmt in diesem Buch sehr viel Platz ein, die Schikanen, Vorwürfe und Verleumdungen von staatlichen Stellen , bis zum Zwangsverkauf an den Rat des Kreises, damit die Gaststätte v
on der staatlichen HO übernommen werden konnte. 

Aber dies ist eine andere Geschichte. So auch die Geschichte, an der Kuhtränke
eine Gaststätte zu erbauen und zu eröffnen.

Meine Eltern mit Schäferhund "Senda"

Raureif im November 1968